Philoxenía

PHILOXENÍA

Eine Triennale

2019-2021

Die Kammermusikfestivals 2019, 2020 und 2021 als Gastspiel I-III und die neue Community-Tanzoper Niemands fantastische Reise sind Teil der Philoxenía – Triennale. Das thematische Leitmotiv, was übersetzt soviel bedeutet wie ‚Liebe zu Fremden‘ spannt in diesem Zeitraum ein inhaltliches Dach über all unsere Formate.

PHILOXENÍA | EINE TRIENNALE

Philoxenía beschreibt seit der griechischen Antike die Liebe zum Fremden in einer wechselseitigen Beziehung zwischen Gast und Gastgeber. Dabei liegt in der Bedeutung dieses Wortes wesentlich mehr, als wir mit der Übersetzung „Gastfreundschaft“ begreifen können. Es beinhaltet ein Ethos der Universalität, den Glauben an globale Zusammenhänge und eine Vielfalt an Perspektiven.

Philoxenía ist eine Ermutigung dazu, den Blick über die lokale Umgebung hinaus zu richten und das Verbindende zu suchen zu dem, was uns – nicht nur von außen – begegnet. Es appelliert an eine ständige Neugier und erinnert daran, dass Menschen immer Fremde und Gäste sind. Philoxenía macht diese Erkenntnis zur Prämisse des Handelns.

In den kommenden drei Jahren versucht Bridging Arts, dem antiken, sozialen Konzept der Philoxenía zu einer künstlerischen Umsetzung zu verhelfen.

Wir haben für unsere Kammermusikfestivals 2019 bis 2021 drei Gastkurator*innen eingeladen, die das jeweilige Festival zu ihrer künstlerischen Heimat machen. Wir nennen es Gastspiel I bis III.
Parallel dazu beginnen wir mit der Arbeit an unserem nächsten groß angelegten Community- Projekt. Mit Unterstützung der Stadt Nürnberg und des Bewerbungsbüros Kulturhauptstadt Europas 2025 werden wir eine neue Community-Oper entwickeln.

Wir starten im Oktober 2019 in Kooperation mit der Zumikon Stiftung. Wir werden Menschen ins Bernsteinzimmer einladen, die einen Querschnitt der Nürnberger Bevölkerung abbilden, um mit ihnen in gastlicher Atmosphäre über das zu sprechen, was die Menschen in der Metropolregion Nürnberg bewegt. Was sie von sich, von anderen, was sie von Kunst und Kultur erwarten. Was verbindet sie, was trennt sie? Die Sammlung an Eindrücken werden wir in einem nächsten Schritt zusammen mit professionellen Kunstschaffenden zu Texten und Kompositionen weiterentwickeln.

In Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Menschen der Community wird daraus eine neue Community-Oper entstehen, die 2021 uraufgeführt wird. Unser Ziel ist es, möglichst viele der verschiedenen Menschen, die Nürnberg ausmachen, einzubeziehen.

Im Sinne von Philoxenía laden wir ein, daran teilzunehmen.

Frances Pappas, Gero Nievelstein

17.Juni 2019

LIEBE ZU FREMDEN

Das 18. Bridging Arts Festival feierte die Gastfreundschaft, kuratiert von Nicholas Rimmer

Eine Vielzahl internationaler Musiker aus Griechenland, Frankreich, China, England und Deutschland waren bei uns zu Gast mit einem Instrumentarium, das neben den klassischen Kammermusikbesetzungen wie Klaviertrio oder Streichquintett auch Schlagzeug, Posaune, Gitarre und Harfe bereithielt. Dabei kamen Komponisten zu Gehör, die weit gereist sind oder im Laufe ihres Lebens emigriert sind ˗ allesamt künstlerische ‚mavericks‘, Mystiker oder Klangtüftler. Das Eröffnungskonzert widmete sich dem menschlichen Verhältnis zur Natur mit Werken von Schubert, Berio und Janáček. Zu den Highlights gehörten auch late-night Konzerte in der Aussegnungshalle des St. Johannis-Friedhof mit Crippled Symmetry von Morton Feldman (bei dem das Publikum auf Matratzen lauschen durfte), sowie unter dem Motto SKANDAL! im Kunstbunker im Bauhof. Weitere Konzerte fanden in der wunderschön renovierten Marthakirche und dem erstklassigen Orchestersaal der Hochschule für Musik statt.

Lesen Sie hier die Kritik von Jens Voskamp in den Nürnberger Nachrichten vom 16.9.19 ☞ .pdf : Ein Paarlauf für Witz und Tiefgang.

Das Programmheft zum Festival 2019  ☞ .pdf

Das 18. Bridging Arts Kammermusikfestival in Nürnberg mit Jonian Ilias Kadesha – Violine, Max Baillie – Violine/Viola, José Maria Blumenschein – Violine, Patrick Jüdt – Viola, Vashti Hunter – Violoncello, Konrad Fichtner – Kontrabass, Nari Hong – Flöte, Tom Owen – Oboe, Reto Bieri – Klarinette, Cornelius Rinderle – Fagott, Matthias Nothhelfer – Horn, Matthew Brown – Trompete, Matthias Raggl – Tuba, Frederic Belli – Posaune, Ricarda Fuss – Saxophon, Johannes Fischer – Perkussion, N.N. – Hackbrett, Martina Leutschacher – Harfe, Stewart French – Gitarre, Simone Easthope – Sopran, Frances Pappas – Mezzosporan,  Julienne Pfeil – Schauspielerin, Nicholas Rimmer, Klavier/Celesta

ABENDESSEN IM BERSTEINZIMMER

Philoxenia – Liebe zu Fremden: Unter diesem Motto richtete die Opernsängerin und leidenschaftliche Köchin Frances Pappas im November 2019 fünf Abendessen aus. Eines für Kinder, eines für Jugendliche und drei für Erwachsene. Es wurden jeweils sechs bis sieben Menschen eingeladen, die einander nicht kannten und sich wahrscheinlich in der Stadt auch eher nicht bewusst begegnen würden. Sie wussten vorher nicht, wer mit ihnen am Tisch sitzt und als sie kamen, erfuhren sie nur die Vornamen der anderen Teilnehmenden, aber nicht deren aktuelle Tätigkeit.

Die Idee hinter dem Projekt: Gemeinsames Essen kann die Sichtweisen von Menschen radikal verändern. Es ist eine Aufforderung an die Wahrnehmung der Menschen, die am Tisch zusammensitzen. Denn in einer sinnlichen und entspannten Atmosphäre kann der Gegenüber nicht mehr so leicht auf Herkunft, Geschlecht oder sozioökonomischen Hintergrund reduziert werden.
Nach einer gemeinsamen Vorspeise taten sich immer zwei Personen zusammen, die einander erzählten, was ihnen wichtig ist. Zurück in der großen Runde stellte jede/r seinen/ihren Gesprächspartner*in der Gruppe vor. Daraus ergaben sich dann, wie von selbst, spannende Gespräche, die vom Inhalt der eigenen Patientenverfügung über den Sinn von Ramadan bis zu der Frage, wo man in Nürnberg auch mit über 40 gut tanzen gehen kann, reichten. So wie Frances Pappas alles daran setzte, dass für den Geschmack eines jeden Gastes etwas auf dem Tisch kam, gaben alle Geladenen Geschichten und Erlebnisse von sich in die Runde. Das konnte in solcher Vielfalt nur entstehen, weil unter anderem ein Sitar-Spieler, eine Unternehmensberaterin, eine Sozialarbeiterin, ein derzeit Einkommens- und Wohnungsloser, ein Chefarzt, eine Hotelfachfrau, ein Schreiner und eine Kunststudentin die Einladung annahmen.
Als am Ende des Abends jede/r der Teilnehmenden mehr aus der eigenen Biografie preisgab, konnte man im Raum viel Überraschung und Erstaunen spüren – denn die zu Beginn einander Fremden waren in ein paar Stunden jenseits der klassischen Rollenbilder zu einer Gruppe geworden.

In Zeiten, in denen immer die Rede davon ist, dass wir uns nur noch in unseren eigenen Blasen bewegen, soll „Philoxenia – Liebe zu Fremden“ ein Gegenentwurf sein, ein Angebot, den Blick zu weiten und die Begegnung mit Fremden als Bereicherung zu erleben. Die in den folgenden Tagen eingegangenen Dankesworte der Gäste zeigten, dass sich dieser Wunsch bei den meisten eingelöst hat.

Nach dem Pilotprojekt im November 2019 würden wir gerne im nächsten Schritt die Gäste der ersten Runde auffordern, uns neue Gäste zuzuführen und so wie in einem Schneeballsystem immer weiter in die Nürnberger Stadtgesellschaft vordringen. Idealerweise können wir irgendwann ein Nürnberger Geheimtipp sein, eine komplett analoge Veranstaltung ohne Facebook-Gruppe, Homepage oder Instagram-Account, zu der man nur über Empfehlung kommt. Und die Lust macht, selber initiativ zu werden und auf Menschen zuzugehen.

Philoxenia – Liebe zu Fremden

Ein Projekt von Bridging Arts
Frances Pappas, Gastgeberin und Köchin
Maren Zimmermann, Co-Gastgeberin

ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN

08. – 13.09.2020

Gastspiel II/III – kuratiert von Elliott Carlton Hines

Im Rahmen des 19. Bridging Arts Kammermusikfestivals 2020 beschäftigen wir uns mit Veränderungen im Leben:
Was bedeutet für uns die Veränderung, wenn wir aus dem gewohnten Umfeld in eine völlig neue Welt eintreten?
Welchen Mut braucht es dafür, oder wovon müssen wir uns befreien?
Und was bedeutet es für uns, wenn wir bleiben, sich das gewohnte Umfeld aber verändert, vielleicht sogar radikal?

Der Kurator dieses Gastspiels II/III ist Elliott Carlton Hines, ein junger texanischer Bariton. Zur Zeit ist er an der Staatsoper Stuttgart engagiert.

Das Programm und Ticketing finden Sie hier.

NIEMANDS FANTASTISCHE REISE

Community-Tanzoper

Uraufführung: Juli 2021

Mehr zum Projekt ☞ hier

Gastspiel III/III

10. – 16. September 2021

Bald finden Sie hier Informationen zum Finale von Philoxenía.