Kulturelle Bildung

Kulturelle Bildung

Mit einem ständigen künstlerischen Angebot für Jugendliche profiliert sich Bridging Arts seit vielen Jahren als Veranstalter hochwertiger und nachhaltiger kultureller Bildungsprojekte. In Zusammenarbeit mit Schulen wird interdisziplinär mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet und künstlerisch experimentiert.

WAS BLEIBT

  • Beiträge aus unserer Gesellschaft
  • Konzept der gesamten Oper
  • Begleitprojekt – WAS BLEIBT in meiner Stadt
  • Begleitprojekt – WAS BLEIBT von mir
  • Begleitprojekt – WAS BLEIBT radical minimal
  • Videobeitrag zu WAS BLEIBT

WAS BLEIBT Beiträge aus unserer Gesellschaft

WAS BLEIBT… von der Zeppelintribüne auf dem Reichsparteitagsgelände?

  • von Dr. Martina Christmeier

WAS BLEIBT… von den deutsch-französischen Beziehungen?

  • von Günter Gloser

WAS BLEIBT… von unseren Wertvorstellungen?

  • von Marco Adipos

WAS BLEIBT… von der Postwachstumsökonomie?

  • von Andreas Meyer-Brennstuhl

WAS BLEIBT… wenn Atem zu Luft wird?

  • von Julia Rittner-Kopp

WAS BLEIBT… von der Kultur unserer Stadt?

  • von Jürgen Bisch

Nürnberg…what remains?

  • von einem kanadischen Journalisten

WAS BLEIBT …

Musikalische Leitung: Gocha Mosiashvili
Regie/Choreographie: Nina Kühner
Ausstattung: Hanna Zimmermann

Educational consultant: Jane Deluzio
Gesamtleitung: Frances Pappas, Gero Nievelstein


Das uralte Märchen vom Rattenfänger wirft aktuelle Fragen auf. Wie sieht eine ideale Stadt aus? Wie sieht die Suche nach neuen Lebensräumen aus? In Hameln bleiben von allen Kindern ein gehbehindertes und ein taubes zurück. Wie gestaltet sich die Zukunft mit diesen Menschen? Wie können wir Inklusion betreiben? Ja schließlich, was wäre, wenn es keine Jugend mehr gäbe? Wie lösen wir die Generationenfrage?
Im Diskurs mit dem für den Musiktheatertyp der Community Oper charakteristischen Querschnitt der Bevölkerung (70 Kinder und Jugendliche aus Grund-, und Realschulen, Menschen im Alter zwischen 12 und 83 Jahren, Laien sowie 30 professionelle Musiker*innen und Künstler*innen) möchten wir uns diesen Fragen im Rahmen der Oper stellen.  Insbesondere werden dabei Fragen der In- und Exklusion eine
Rolle spielen.

 

NOTIZEN DES KOMPONISTEN
von Matthew King


Als der Librettist Michael Irwin und ich vor einigen Jahren das erste Mal in einem Pub über dieses Stück gesprochen haben, sahen wir zunächst nicht, wie präsent diese Geschichte war. Die Oper beginnt mit einer Bürgermeisterwahl. Der Gewählte gibt meist selbstverliebte Plattitüden von sich, die sich aus heutiger Sicht wie Zitate aus den jüngsten Wahlkämpfen anhören. Die meisten Menschen kennen die Geschichte des Rattenfängers. Sie bietet mir als Komponist eine wunderbare Vielfalt von dramatischen Motiven: Egoismus, moralische Verwerfungen, geheimnisvolle Geschehnisse, eigentümliche Bündnisse, Zauberkräfte und schließlich tragische Konsequenzen. In unserer
Fassung spielen zwei Rattenfänger eine Rolle. Beide sind, wenn auch auf unterschiedliche Weise, Außenseiter. Da ist zum einen die ehrliche Arbeiterin, von den Umständen überfordert und von den Verantwortlichen aus der Politik im Stich gelassen. Sie ist eine Sprechrolle, was ihre »Normalität« unterstreichen soll, gefangen in einer opernhaften Welt, von der sie schlecht behandelt und ignoriert wird. Der andere Rattenfänger – der Pfeifer – taucht als Schlüsselfigur in der zweiten Hälfte der Oper auf. Er ist ein mysteriöser Charakter, dessen Begleitmusik sein »Anderssein« durch den Einsatz von drei markanten musikalischen Farben reflektiert: Mezzosopran-Stimme, Sopransaxophon und Elektronik.

Der Bürgermeister, der während des gesamten Stückes auch als Richter agiert, wird von einem Berater-Quartett aus Männerstimmen begleitet, die ihm ständig nachplappern. Er hat aber auch zwei redegewandte Menschen in
seinem Gefolge: den Handlanger und Rechtsberater und eine Thatcher-ähnliche Sekretärin mit einem Koloratursopran. Wir erleben eine Menge von Stadtvolk, das hin- und hergerissen ist zwischen dem manipulativen Verhalten der Politik und einer Krise, die sich spiralförmig hochschraubt und außer Kontrolle gerät. Schließlich haben wir noch den Chor der Kinder. Unschuldig führen sie zu Beginn den Triumphmarsch an und bilden eine beängstigende Prozession am Ende. Die Oper beginnt also und endet mit den Stimmen der Kinder.

Ich bin allen Mitgliedern dieses Ensembles und besonders den teilnehmenden jungen Musikerinnen und Musikern sehr dankbar, dass sie so viel Zeit und Mühe investiert haben, um dieses Stück zu realisieren. Ich bin auch Frances,
Gero und dem ganzen Bridging Arts-Team sehr dankbar für ihr Vertrauen in diese CommunityOper und für das Engagement, mit dem sie diese Stück in Nürnberg auf die Bühne bringen.

 

WAS BLEIBT ODER WO GEHT DIE REISE HIN?
von Nina Kühner


Der Rattenfänger von Hameln – eine der berühmtesten deutschen Sagen, weltweit gerne aufgeführt und angesehen -und dabei eine doch so schreckliche Geschichte über Kindesentführung! Aber es geht nicht nur um Kindesentführung, die Geschichte handelt auch von einer Rattenplage und deren Beseitigung. Also – WAS BLEIBT, wenn man einer Stadt,
einer Gesellschaft ihre Kinder nimmt und sie damit ihrer Zukunft beraubt? WAS BLEIBT, wenn man das vermeintlich Schlechte, Andere – also die Ratten – vollkommen aus der Gesellschaft eliminiert. WAS BLEIBT, wenn Menschen
sich nicht an ihre eigenen Vereinbarungen und moralischen Grundsätze halten? Und WER ist eigentlich dieser Rattenfänger?
Das sind die Fragen, die uns im Vorfeld zu dieser Community Oper beschäftigt haben, und mit denen wir uns gemeinsam gerade mit den Kindern auseinandersetzen wollten. Sagen waren immer eine Möglichkeit, sich
bzw. Kindern die Welt zu erklären. Und da wir heute leben und heute spielen, war die Frage für uns, was wir mit dieser Sage, dieser Oper von unserer heutigen Welt erklären wollen bzw. können. In der Oper geht es für uns neben den schon angesprochenen Aspekten um einen ganz zentralen Punkt: um Angsterzeugung und Ausgrenzung. Den Menschen in Hameln geht es anscheinend gut, das Leben ist »strahlend und herrlich«, sie Leben im Wohlstand und Reichtum, alles läuft seit Jahren gleich und in geregelten Bahnen. Und dann kommt die »Pestkontrolle« und behauptet, dass eine große Ratteninvasion kommen und das ganze schöne Leben zerstören wird. Und plötzlich ist sie da, die Unsicherheit, obwohl noch gar nichts passiert ist. Und das Mißtrauen und die Angst wächst…. Kommt Ihnen das bekannt vor?
Ratten waren schon immer in der Geschichte das Sinnbild für alles Schlechte, für Krankheiten, Schmutz und Übervölkerung. Über allseits bekannte Beispiele müssen wir nicht explizit sprechen. Also war unsere Frage: für was könnten diese Ratten heute stehen, WER schürt diese Ängste vor dem vermeintlich »Schlechten«, was uns überrollen wird und vor WEM wird uns Angst gemacht und werden unsere Ängste geschürt? In den Workshops mit den Kindern und der Diskussion über diese Fragen kamen auch gleich sehr viele Beispiele: bei den Kleineren überwog der »Kindesentführer« (»Geh nicht mit Fremden mit, auch wenn sie dir einen kleinen Hund anbieten!«) oder der Dieb. Ansonsten wurden die beliebten Gruppen, vor denen man »gewarnt« wird, und Menschen, die ausgrenzt werden aufgezählt: Ausländer, Flüchtlinge, Linke, Rechte, Homosexuelle, Dicke, Kranke, Behinderte….die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Diese Themen sind leider erschreckend aktuell, und es fallen einem gerade in der Politik einige »Angstmacher« ein – ob man innerhalb Deutschlands und Europa auf die Flüchtlingsdiskussion blickt oder nach Amerika, wo das Thema Kindesentzug und Angstmache schmerzlich brisant ist. In den Workshops mit den Kindern war es erschreckend festzustellen, wie bei vielen selbst erlebte Ausgrenzung zu ihrem Alltag gehört, aber auch, wie in den Gruppen im Kleinen ausgegrenzt oder sich abgegrenzt wird.
In der Geschichte kommt der Rattenfänger – der Erlöser, der Wunscherfüller – derjenige, der die Stadt von der bösen Invasion befreien kann! Ein FREMDER, der unsere (unmoralischen) Wünsche erfüllen kann! Und nach der
Erlösung geht es doch wieder nur um Geld und man hält sich nicht an seine Versprechungen.
Auch das ist ein zeitloses Thema.
Möchte man (als Kind) in einer Welt, in der es nur um Geld, Macht und Wohlstand geht, in der ausgegrenzt und nicht integriert wird, in der Unterschiede geschürt werden, in der selbst der »Erlöser« von dem angeblich Schlechten betrogen wird, wirklich leben? Das heißt, entscheiden sich die Kinder nicht vielleicht selbst, mit dem Rattenfänger mitzugehen – in eine bessere, selbstbestimmte und sichere Zukunft?

Begleitprojekt mit Schülern der Veit-Stoss-Realschule zur Community Oper 2018

WAS BLEIBT in meiner Stadt

Begleitprojekt mit Schülern der Veit-Stoss-Realschule und Studenten der AdbK Nürnberg zur Community Oper 2018

WAS BLEIBT von mir

Begleitprojekt mit Schülern der Franconian School Erlangen zur Community Oper 2018

WAS BLEIBT radical minimal

Videobeitrag

Film eines Schülers zum Thema »Was bleibt« 2018

Die Entstehung der Oper »Das Babylonexperiment« 2008

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